Forschungsinstitut BIOPOL e.V.
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Neues von Herrn Hans Schaub

Die Verarbeitung des Zunderschwammes ist und bleibt eine besondere Handwerkskunst.

Die Herstellung des Zunders für das Feuermachen und auch Herstellung als Wundschwamm für die Medizin wurde schon mehrfach beschrieben.

Aber die Nutzung dieses nachwachsenden Rohstoffes für spezielle Gebrauchsgegenstände gerät immer stärker in den Blickwinkel der Kreativwirtschaft.  Dazu die nachfolgenden Informationen, die wir vom Rennsteigmuseum erhalten haben:

Verwiesen wird auf seine Publikation, die auch die Erfahrungen zur Verarbeitung des nachwachsenden Rohstoffes "Zunderschwamm" in einer Einmaligkeit beschreibt. Darüber hinaus ist es eben diese Handwerkskunst des Herrn Schaub, die den weiteren  Anwendungen in der Kreativwirtschaft Impulse gibt, wie nachfolgend dargestellt. Auch diese Erzeugnisse, diese demonstrierte Handwerkskunst, kann man im Rennsteigmuseum bewundern (Fotos: Rennsteigmuseum, Herr Kastner):

 
 
Drechseln mit Zunderschwamm und anderen Porlingen
Hans Schaub - Zeulenroda in Thüringen im April 2017
 
Die Vielseitigkeit des Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist sicherlich einigen bekannt, viele jedoch haben noch  nie davon gehört.
 
Der Zunderschwamm ist ein Schwäche und Wundparasit der bei uns meist  an Buchen und Birken vorkommt, es ist ein Weißfäule Erreger der das Lignin im Holz abbaut  und damit den Baum schwächt und zum Brechen bringen kann. Andere Porlinge haben ähnliche Eigenschaften, die hier nicht im Einzelnen beschrieben werden. Alle sind mehrjährig und können zum Teil beachtliche Größen erreichen.
 
Oft werde ich gefragt wie man auf so etwas kommen kann. Die Antwort lautet: Ich befasse mich seit vielen Jahren mit Pilzen und Porlingen, insbesondere mit Fomes fomentarius.
 
Durch  die Medien und im Internet ist mein Name in Verbindung mit dem Zunderschwamm verschiedentlich genannt.
 
Das Drechseln mit Fomes fomentarius und anderen Porlingen ist neu und  in keiner Fachliteratur oder im Internet zu finden.
 
Neben den bisherigen Produkten wo an erster Stelle der Feuerzunder,  mit dem Feuerschlagen wie in der Steinzeit gehört, das Zunderleder aus der Tramaschicht des Fruchtkörpers woraus Kleidungsstücke, Mützen und vielerlei Souvenirs und auch künstlerische Gegenstände angefertigt werden, auch Räucherzunder zum Räuchern in der Bienenpfeife für  Imker und im Hausgebrauch zum Vertreiben von Insekten und Mücken verwendet, Zunderwolle aus der Tramaschicht des Schwammes  als Grundstoff zum Giesen von Papier oder auch zum Feueranzünden.
Sehr geschätzt wurde früher der medizinische Zunder der unter dem Namen „Chirurgorum“ in Apotheken verkauft wurde und zur Blutstillung und Wundheilung Verwendung fand und in neuerer Zeit bei der Akupunktur sowie weiteren Behandlungen wieder entdeckt wurde.
Vom Zunderschwamm mit seinen heilenden Wirkstoffen wird Pilzpulver zum Einnehmen gegen versch. Krebsarten und als Vorbeugendes Mittel zur Stärkung des Immunsystems erfolgreich angewendet, das Gleiche gilt  für den Alkoholischen Ansatz aus dem ganzen Fruchtkörper.
Endlich hat man in Deutschland in der Forschung den Zunderschwamm mit seinen nachgewiesenen heilenden Inhaltstoffen wieder neu entdeckt und einen großen Schritt in Bezug auf die Krebstherapie nach Vorn gebracht, erste Forschungsergebnisse liegen bereits vor.
Zuletzt hat man sich auch noch für die harte Außenkruste interessiert die zum Färben von Wolle und Seide einen rötlich braunen Farbton ergibt.
 
Bei der Bearbeitung all dieser aufgeführten Produkte aus dem Schwamm, fällt zwangsläufig die unverwertbare Röhrenschicht  an, woraus der Zunderschwamm zum großen Teil  im Europäischen Raum besteht, in den Balkanländern, Rumänien oder in Skandinavien sieht die Beschaffenheit des Fomes fomentarius weit günstiger zur Verwendung aus, d.h. dort ist der verwertbare Anteil viel ausgeprägter, der Grund dafür sind die dort herrschenden Klima und Wachstumsbedingungen.
 
Eine  Nutzung dieser Röhrenschicht zu einer Verwendung außer Verbrennen um die Glut in der Feuerstelle zu erhalten ist nicht bekannt.
Es gibt Hinweise aus Niederbayern und Österreich zu ritualen Zwecken, z.B. zum Räuchern zu Ostern als sogenanntes Osterfeuer was durch Kinder von Haus zu Haus getragen wird um das Haus vor Feuer und anderen Gefahren zu schützen, diese Tradition ist auch heute noch üblich.
„Zunderschwamm brennt nicht, er glimmt nur“
Zum Verbrennen ist der Röhrenanteil jedoch zu schade, da bis dorthin ,von der Bearbeitung her, schon viel Mühe investiert ist und außerdem die Qualität des Materials sich als einwandfrei zeigt.
 
Mir ist nicht bekannt, dass schon einmal aus Zunderschwamm bzw. anderen Porlingen gedrechselt wurde um auf der  Drechselbank etwas bedingt Brauchbares herzustellen. In der Fachliteratur sowie im Internet habe ich darüber nichts finden können!
Allerdings muss hierzu gesagt werden, dass wohl  die Wenigsten die sich mit Porlingen befassen, die Möglichkeiten und  Kenntnisse zum Drechseln haben, sowie mit anderen Holzbearbeitungsmaschinen, welche auch noch dazu erforderlich sind umgehen zu können, Das Vorhandensein der Technik ist auch eine Voraussetzung die nicht  überall gegeben ist. Allein eine Hobbydrechselbank reicht dazu bei Weiten nicht aus!
 
Am Anfang stand der Zunderschwamm zum Drechseln, da dieses Material reichlich von den anderen Bearbeitungen zur Verfügung stand. Da diese Bearbeitung interessant ist, sind auch andere Porlinge  zum Drechseln einbezogen worden. Es ist der Rotrandige Baumschwamm der schwer zu Schlichten ist, der graue und der schwarze Feuerschwamm, der Eichenfeuerschwamm einer der härtesten Fruchtkörper wo beim Bearbeiten durch den Schleifstaub das reinste Niespulver entsteht, der Birkenporling ein sehr schöner schneeweißer Porling der das Schleifen  nicht sehr mag, nur  scharfe Werkzeuge sind notwendig, wie übrigens bei allen Porlingen.
Die schönsten Arbeiten und auch das am besten zu bearbeitende Material liefert der falsche „Schiefe Schillerporling“ - auch als Baumkrebs bezeichnet, der nur an Birke zu finden ist, er kommt der Maserbirke sehr ähnlich.
Was beim Bearbeiten aller Porlinge besonders beachtet werden muss ist das Aufspannen auf der Drechselbank, fast alle Möglichkeiten versagen, denn  die Fruchtkörper sind zwar alle sehr hart, jedoch nicht so fest in Ihrer Struktur, dass  nur eine aufgeleimte Aufnahme aus Massivholz auf den vorbereiteten Drechselrohling dabei hilft um im Spannfutter oder Schraubfutter einen sicheren Halt beim Drechseln zu haben. Ist eine Seite, egal ob innen oder außen fertig, muss die Aufnahme erneut auf die Gegenseite geleimt werden. Wem diese Arbeit zu Aufwendig erscheint, kann eine böse Überraschung durch Auswurf beim Drechseln erleben.
 
Ist der Porling, gleich welcher Art im Wald geerntet, wird gleich mit der Bandsäge der Drechselrohling zurecht geschnitten dann braucht es eine sehr lange Trockenzeit bei ca. 20°C mit einer Zeitdauer von mindestens 5-6 Monaten, (Das Ganze Gegenteil der Zunderbearbeitung der Produkte wie sonst bekannt).
Während dieser Zeit sollte besonders zu Beginn 2-3 mal satt mit Holzwurmtot behandelt werden. was noch sehr wichtig ist soll die Behandlung sein, um den Fruchtkörper zu verhärten. Diese Arbeit ist sehr entscheidend für den Erfolg. Viele Versuche wurden hierzu angestellt, vom Einweichen in Salzlösung, sowie verschiedene Klarlacke, die besten Erfolge sind mit verdünnten 2 Komponenten Möbellack erzielt worden, allerdings auch die teuerste Variante. Ein abschließendes Rezept ist noch nicht erfunden, deshalb sollen dazu vorerst keine weiteren Angaben gemacht werden.
Eines soll aber nicht unerwähnt bleiben, die verwendeten Porlinge müssen gesund und frei von Wurmbefall sein. Bei allen Vorsichtsregeln, kann es trotzdem vorkommen, dass beim Drechseln, von außen nicht erkennbar, Wurmlöcher auftauchen, das ist halt Pech!
 
Das Thema Drechseln mit Porlingen hat mich besonders ergriffen.
Umfangreiche Recherchen habe ich angestellt die bis nach Rumänien  zu meinen Freund Karoly in Korond reichen, denn dort wird mit noch einigen Leuten der Zunderschwamm wie seit Jahrhunderten  bearbeitet und erfolgreich vermarktet. Über das Drechseln jedoch, konnte ich nichts erfahren es wäre auch für Sie etwas  neues, wie mir gesagt wurde.
Die Vorstellung, ich könnte etwas Neues erfunden zu haben,  kann ich noch nicht so richtig nachvollziehen, es sieht aber im Moment so aus. Ich wäre ja sehr verbunden, Jemand kennen zu lernen, der ähnliches tut, um Gedanken und Erfahrungen über das Drechseln mit Porlingen auszutauschen.

Übrigens ist das gesamte Thema noch längst nicht abgeschlossen, denn immer mehr neue Erfahrungen und auch Fehlschläge kommen bei der Bearbeitung hinzu.

 

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